Denkmale der Industriekultur des Kupferschieferbergbaus
im
Mansfelder Land
800 Jahre Kupferschieferbergbau und -verhüttung im
Mansfelder Land sind heute Geschichte. Neben einer Fülle von Sachzeugen und
Dokumenten in Museen und Archiven sind es vor allem bauliche Überbleibsel, die
als Technische und als Kulturdenkmale von der einstigen Betriebsamkeit im
ehemals größten deutschen Kupfer- und Silberrevier künden. Nur ein Teil hat
bisher wirklich den Denkmalstatus erhalten, doch auch dessen Bestand ist damit
nicht automatisch gesichert. Die Vorstellung einer Auswahl dieser Denkmale soll
helfen, sie montangeschichtlich Interessierten zu erschließen, aber auch zu
ihrem Erhalt einen Beitrag leisten.
|
Rest des Förderturms des Freieslebenschachtes
II |
Lichtloch 26 (S) bei
Großörner |
|
|
|
Am auffälligsten in der Mansfelder Landschaft sind die
vielen Bergbauhalden. Sie bestehen aus mitgefördertem tauben Gestein
("Bergen"), teilweise aus nicht schmelzwürdigem Kupferschiefer ("Ausschläge"),
und reichen von den kleinsten aus der Anfangszeit des Bergbaus über die
kleineren und größeren Tafelhalden bis zu den weithin sichtbaren Kegelhalden des
20. Jahrhunderts. Einige Altbergbaugebiete, so bei Wolferode
/Wimmelburg und bei Hettstedt/Welfesholz, weisen auf das über Jahrhunderte vor
sich gegangene Fortschreiten des Bergbaus in immer größere Teufen und die damit
verbundene technische Entwicklung hin. Diese Haldenlandschaften sind ebenso wie
die großen Kegelhalden und einige der Tafelhalden unter Schutz gestellt.

Kegelhalde des Otto-Brosowsky-Schachtes (Paulschacht) zwischen Augsdorf und Helmsdorf
![]() |
![]() |
|
Blick über Hergisdorf auf die Schlackenhalde der August-Bebel-Hütte (Kochhütte) |
Haldenrest der
ehemaligen "Lutherhütte" zum |
Von den Schachtanlagen selbst sind in wenigen Fällen
noch zum Teil industriearchitek-
tonisch interessante Gebäude vorhanden, die,
sofern sie heute anderweitig genutzt werden, Aussicht auf Bestand haben. Ein
Beispiel ist das Zechenhaus mit der Kaue des 1909 eröffneten Wolfschachtes bei
Eisleben, der in den 1920-er und 30-er Jahren als eines der größten und
modernsten Erzbergwerke Europas galt.

Zechenhaus
des Fortschrittschachtes (Wolfschacht) bei Eisleben,
heute project
Schul- und Objekteinrichtung GmbH
Aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts existieren noch sechs Förderturmsockel, wie der 1878 entstandene des Freieslebenschachtes II bei Mansfeld, der als Wasserhaltungsschacht nur eine kleine Hilfsförderung besaß. Sehenswert auch der schlanke Turm des als Förderschacht genutzten Lichtlochs 26 (S) bei Größörner, der früher ein hölzernes Fördergerüst trug. Komplette Schachtfördergerüste sind dagegen im Mansfelder Gebiet bis auf die kleine Hilfsanlage des Schmidschachtes bei Helbra nicht erhalten geblieben.
|
|
| |
|
Schmidtschacht bei Helbra
|
Walter-Schneider-Schacht
|
Eine Sonderstellung nimmt der 1886 in Form eines "Malakoffturms" errichtete Maschinenturm des Wasserhaltungsschachtes Ernst IV bei Helbra ein. Darin arbeitete ab 1889 eine der größten im Mansfelder Revier jemals eingesetzten Balanzier-Dampfmaschinen zur Wasserhebung von der 3. Tiefbausohle.
Auch eine Reihe zum Teil bedeutender
Wasserlösungsstollen legt Zeugnis ab vom großen Aufwand, der von den
Mansfelder Bergleuten bis in die Neuzeit zum Aufschluss der Lagerstätte
getrieben werden müsste. Von den noch aktiven, d. h. Wasser abgebenden Stollen
sind die Stollenmundlöcher meist noch erhalten. Dies trifft auf den 1879 fertig
gestellten Schlüsselstollen als tiefsten und über 31 km langen, bedeutendsten
Mansfelder Stollen mit dem Mundloch bei Friedeburg-Neumühle ebenso zu wie auf
den Froschmühlenstollen. Generell sind die Stollenmundlöcher im Mansfelder
Kupferschieferbergbau vergleichsweise schlicht und schmucklos ausgeführt.

Mundloch des Froschmühlenstollens unweit der B80 bei Lüttchendorf
Nach dem Ende des Bergbaus im Sangerhäuser Revier 1990 ist
die letzte der beiden großen Schmelzhütten, die August-Bebel-Hütte
(Kochhütte) bei Helbra, ihre große Schlackenhalde ausgenommen, nahezu
vollständig verschwunden. Ähnlich erging es vorher schon der 1917 erbauten
Karl-Liebknecht-Hütte (Krughütte) bei Eisleben, die mit ihrer klaren Architektur
durchaus als Gegenstück zum Wolfschacht anzusehen war. Von älteren Mansfelder
Hütten gibt es teilweise noch bemerkenswerte bauliche Zeugen, die heute oft
aufgrund neuer Nutzung ihren Ursprung nur schwer erkennen lassen, so die Reste
der Kreuz- und der Katharinenhütte in Mansfeld-Leimbach.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die ehemaligen
Hüttenstandorte im Stadtgebiet von Mansfeld. Hier reicht der Hüttenbetrieb
wenigstens bis ins 15. Jahrhundert zurück und hier befand sich - zentral gelegen
unter dem Schutz der Mansfelder Stammburg - die erste Silberhütte, die durch ein
aufwendiges Wassergrabensystem aus dem Talbach mit Antriebswasser versorgt
werden musste.
An der ebenfalls durch dieses System versorgten Oberhütte
in Mansfeld war Hans Luther, der Vater des Reformators Martin Luther, als
Hüttenmeister und Bergbauunternehmer beteiligt. Von dieser Hütte sind nur noch
Haldenreste vorhanden, ebenso wie von der ehemaligen Oberrabenhütte an der
Straße von Mansfeld-Leimbach nach Vatterode und von der kleinen "Lutherhütte"
zum Rodichen unweit der Neuen Hütte bei Wimmelburg.
Die vom Rohschmelzen des Kupferschiefers herrührenden
schwarzen Schlackenhalden sind noch mehr als die Bergbauhalden
vegetationsfeindlich, und die großen Halden aus der jüngsten Zeit stehen wie
drohend in der Landschaft. Aber auch sie sind Zeugnisse der Jahrhunderte
währenden schweren Arbeit der Mansfelder Berg- und Hüttenleute. Nur die
kleineren Schlackenhalden aus älterer Zeit sind inzwischen teilweise
bewachsen.
Die schon genannte Kreuzhütte in Mansfeld-Leimbach stammt
noch aus der Zeit der "Freilassung" des Mansfelder Bergbaus (1671) und der
Gründung der nach ihren Schmelzhütten bezeichneten Gewerkschaften
(Kapitalgesellschaften). Weitere Hütten dieser Zeit waren die Ober- und die
Mittelhütte (eigentlich Ober- und Mittel-Faulenseer Hütte) bei Eisleben, von
denen aber originale Gebäude nicht mehr existieren (von der Oberhütte hat der
Eisleber Vorort an der B 180 nach Hettstedt seinen Namen).
Oft genannt ist das 1826 entstandene ehemalige
Amalgamierwerk zur Gottesbelohnung bei Großörner, für das die Errichtung nach
Plänen Karl Friedrich Schinkels nicht nachgewiesen werden konnte. Mit dem hier
angewandten neuen Entsilberungsverfahren durch Ausziehen des Silbers aus dem
Kupferstein mittels Quecksilber war der über Jahrhunderte benutzte
Kupferseigerprozess abgelöst und eine Umstellung der gesamten Mansfelder
Kupfer-Silber-Metallurgie eingeleitet worden.
|
Amalgamierwerk zur
Gottesbelohnung |
Die Neue Hütte beim Lichtloch 64 (F) |
|
|
|
Auch von der ehemaligen Seigerhütte "unter Hettstedt", die
ab 1848 zur zentralen Maschinenwerkstatt umgestaltet worden war, und von der
Kupferkammerhütte (Bleihüüte) bei Hettstedt sind noch aussagewerte Gebäude
vorhanden, deren Erhalt aber zur Zeit weder als Denkmale noch durch eine neue
Nutzung gesichert ist. Einen ebenso interessanten Gebäudekomplex stellt die so
genannte Neue Hütte bei Wimmelburg aus dem Jahr 1784 dar. Aufgrund fehlerhafter
Auslegung ihres Wasserkraftantriebs - benutzt wurde unter anderem das Gefälle
zwischen zwei Bergbaustollen - musste die Hütte schon 1801 wieder aufgegeben
werden. Sie diente danach als Magazin und Maschinenwerkstatt und später als
Wohngebäude.

Gebläsemaschinenhaus und ehemalige Bleiraffination der Kupferkammer-Bleihütte in Hettstedt
Von der 1926 stillgelegten Eckardthütte zwischen
Mansfeld-Leimbach und Vatterode sind originale Gebäude nicht mehr erhalten, wohl
aber neuere Bauten zum Teil auf den ursprünglichen Grundrissen. Mit der
Errichtung der Eckardthütte 1860, wie auch mit der zur selben Zeit
stattgefundenen Erweiterung und Modernisierung der Kupferkammerhütte, wurde im
Zeichen der allgemeinen Industrialisierung die zweite große Blütezeit des
Mansfelder Kupferschieferbergbaus eingeleitet. Die Kupferkammerhütte wurde ab
1919 zur Bleihütte umgewandelt. Die heute noch vorhandenen Gebäude stammen
allerdings noch aus früherer Zeit.
Eine herausragende technische Leistung des Mansfelder
Kupferschieferbergbaus war auch der Bau der ersten deutschen Dampfmaschine nach
Wattschem Prinzip, die am 23. August 1785 auf dem König-Friedrich- Kunstschacht
bei Hettstedt in Betrieb genommen wurde. Die Initial- und Vorbildwirkung dieser
Maschine würdigend stiftete der Verein Deutscher Ingenieure 1890 das Denkmal auf
der Halde des Schachtes. Seit 1985 ist ihr originalgetreuer Nachbau im
Mansfeld-Museum zu sehen. Die Stelle im Revier, wo die erste
Dampfmaschinenwerkstatt Deutschlands eingerichtet worden war, befindet sich ca.
700 m vom König-Friedrich-Schacht entfernt inmitten des historischen
Altbergbaugebietes mit seiner eindrucksvollen Haldenlandschaft.

Denkmal der ersten deutschen Dampfmaschine auf den König-Friedrich-Schacht im Burgörner Revier bei Hettstedt
Vor allem in der Lutherstadt Eisleben, dem traditionellen Verwaltungszentrum des Mansfelder Kupferschieferbergbaus, ist eine Reihe von Gebäuden erhalten, die an die 800-jährige Geschichte erinnern. An erster Stelle ist das ehemalige Direktionsgebäude Markt 58, vordem Stadtsitz der Grafen von Mansfeld-Hinterort, zu nennen. In dem Gebäudekomplex (zugehörig Markt 56 und 57) war zeitweise das Eisleber Bergamt untergebracht. Ab 1852 war es Direktionssitz der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft, dann der Mansfeld A.G. und später des VEB Mansfeld Kombinat. Im Haus Nr. 58, seit 1999 dem Mansfeld-Museum angeschlossen, befinden sich heute das Mansfeldarchiv, die Bibliothek und weitere Sammlungen. Besonders sehenswert ist der für Direktionssitzungen dienende Wappensaal. Nicht weit davon entfernt befindet sich das ehemals zum St.-Katharinen-Stift gehörende Gebäude, in dem von 1817 bis 1844 die 1798 gegründete Eisleber Bergschule untergebracht war.

Direktionsgebäude Marktplatz 58 in Einleben

Die alte Bergschule (1817-1844) in Eisleben
Ein Baudenkmal besonderer Art stellen die so genannten
Kornflaschen in Friedeburgerhütte dar. Es handelt sich um mit Schlackesteinen in
die Erde gebaute große Behälter, in denen man noch vor 150 Jahren das Getreide
für die dort befindliche Hütte lagerte.
|
|
|
|
Kornflasche bei Friedeburgerhütte |
Die St.-Gangolf-Kirche auf dem Kupferberg |
Um das Jahr 1199 soll nach Cyriakus Spangenberg (1572), dem
Chronisten der Grafschaft Mansfeld, der Bergbau am Kupferberg bei Hettstedt
begonnen worden sein. So wird auch die kleine St.-Gangolf-Kirche dieses
Ortsteils von Hettstedt, hervor gegangen aus dem früher dort angesiedelten
Kloster, als Denkmal der Mansfelder Montangeschichte angesehen.
Auch viele Siedlungen in den Städten und Dörfern des
Mansfelder Landes zeigen deutlich ihre Zugehörigkeit zum 800-jährigen Bergbau
und Hüttenwesen. So findet man in vielen Orten die typischen älteren Zeilen
einfacher Arbeiterhäuser, die heute nach und nach modernisiert und gepflegt
werden, dabei allerdings auch einen Teil ihres Ausdrucks verlieren. Besonders in
Hettstedt, Gerbstedt, in Klostermansfeld sind diese Häuser zu finden.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden in vielen Orten sogenannte Schlafhäuser für von auswärts herangezogene Arbeiter. Familien wurden in kaum komfortableren "Familienhäusern" untergebracht, wovon ebenfalls noch einige existieren.
|
Ehemaliges Ofenhaus der Kreuzhütte bei
Mansfeld-Leimbach, |
|
|
Erst nach dem 1. Weltkrieg entstanden modernere
Wohnsiedlungen, vor allem in Eisleben und Hettstedt. Auch die nach 1945 aus dem
Boden gewachsenen großen Wohnsiedlungen, sind heute als Denkmale des Mansfelder
Kupferschieferbergbaus zu verstehen.
|
Familienhaus in Mansfeld-Leimbach |
Bergarbeiterhäuser in der Florastraße in Hettstedt |
![]() |
|
|
Wohnsiedlung aus den 1950er Jahren in Benndorf |
|
|
Unser Überblick über Technische und Baudenkmale des
Mansfelder Kupferschieferbergbaus und Hüttenwesens muss hier enden, wenngleich
damit keineswegs Vollständigkeit erreicht werden konnte. Stichworte wie
Mansfelder Bergwerksbahn, Kulturhäuser, Hüttengräben und andere konnten nicht
aufgenommen werden. Das Ziel sollte aber sein, in die Denkmallandschaft
einzuführen und das Interesse für eigene Erkundungen zu wecken. Dazu ein
herzliches Glück auf!

Legende:
1
W-Schacht bei Wimmelburg
2 Lichtloch 26 (S) bei
Großörner
3 Schmidschacht und August-Bebel-Hütte (Kochhütte) bei Helbra
4 Freieslebenschacht bei
Mansfeld - Leimbach
5 Ottoschacht bei
Eisleben
6
Walter-Schneider-Schacht
(Ernstschacht) bei Helbra
7 Niewandtschacht bei
Siersleben
8 Zirkelschacht bei
Klostermansfeld
9 Hans-Seidel-Schacht
(Graf- Hohenthal-Schacht) bei Helbra
10
Otto-Brosowsky-Schacht
(Paulschacht) bei Augsdorf
11 Ernst-Thälmann-Schacht (Vitzthumschacht) bei Siersleben
12 Fortschrittschacht (Wolfschacht) bei Eisleben
13 Neue Hütte und Lutherhütte vorm Rodichen bei Wimmelburg
14 Kreuzhütte und Katharinenhütte in Mansfeld-Leimbach
15 Amalgamierwerk zur Gottesbelohnung (MKM
GmbH) bei Großörner
16 Eckardthütte und
Oberrabenhütte bei Mansfeld-Leimbach
17 Kupferkammer-Bleihütte in Hettstedt
18 Karl-Liebknecht-Hütte (Krughütte) bei Eisleben
19 Burgörner-Revier mit dem VDI-Maschinendenkmal bei Hettstedt
20 Kornflaschen bei Friedeburgerhütte
Text,
Gesamtherstellung: Elmar Hebestedt
Foto: Elmar Hebestedt
(18), Mansfeld-Museum Archiv (3)
Satz u. Druck:
Salzland-Druck GmbH & Co. KG, Staßfurt